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MESSERANGRIFFE: Realistische Selbstverteidigung beginnt mit Realität

Schulinterner Workshop im SCHUTZKOMPASS Borken

Am 15.06.2025 fand im SCHUTZKOMPASS der Gebr. Kropfgans am Standort Borken ein schulinterner Workshop zu einem besonders sensiblen und zugleich wichtigen Thema statt:

„NOTFALLREAKTIONSKONZEPT bei Angriffen mit Hieb-, Stich- und Schnittwaffen in unmittelbarer Nahdistanz“

Das Thema Messergewalt beschäftigt viele Menschen. Auch wir wurden in der Vergangenheit zunehmend – teilweise auch von Nichtmitgliedern – auf Medienberichte über Messerangriffe und die damit verbundene Verunsicherung in der Bevölkerung angesprochen.

Die öffentliche Diskussion über Messerangriffe hat in den vergangenen Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Auch die Polizeiliche Kriminalstatistik weist entsprechende Fallzahlen aus. Dabei ist allerdings eine differenzierte Betrachtung wichtig: Nicht jede Straftat, bei der ein Messer eine Rolle spielt, ist mit einem tatsächlichen Angriff gleichzusetzen. Dennoch bleibt die grundsätzliche Erkenntnis bestehen:

Ein Messer oder ein anderer gefährlicher Gegenstand kann innerhalb kürzester Zeit eine lebensbedrohliche Situation entstehen lassen.

Genau deshalb wollten wir nicht mit Angst, sondern mit Realismus, Aufklärung und Handlungskompetenz an das Thema herangehen.

Ein Workshop für die Realität – nicht für die Filmwelt

Unser Lehrgang richtete sich ausdrücklich nicht nur an unsere eigenen Mitglieder. Auch Interessierte aus umliegenden Kampfsportvereinen waren willkommen.

Das Interesse war groß: Bereits zwei Tage nach der Ankündigung war die für die Durchführung erforderliche Mindestteilnehmerzahl erreicht.

Geleitet wurde der Workshop von David Kropfgans, der auf langjährige praktische Erfahrung sowie umfangreiche Tätigkeit als Referent und Dozent vor Fachpublikum zurückblicken kann.

Statt ein vorgefertigtes Programm unabhängig von den Teilnehmern „abzuspulen“, begann David zunächst mit einem fachtheoretischen Teil und bezog anschließend die Erfahrungen, Fragen und den jeweiligen Kenntnisstand der Teilnehmer in die praktische Gestaltung ein.

Der Workshop wurde bewusst dialogorientiert und praxisnah durchgeführt.

Der wichtigste „Aha-Moment“: Ein Messer ist keine Trainingswaffe

Ein wesentlicher Bestandteil des Workshops war die Auseinandersetzung mit der Frage, warum viele Vorstellungen von Messerabwehr mit der Realität nur wenig zu tun haben.

Im Training können Bewegungsabläufe kontrolliert, wiederholt und unter vorhersehbaren Bedingungen geübt werden.

Eine reale Attacke funktioniert anders.

Geschwindigkeit, Überraschung, Stress, Distanz, Umgebung, Bewegungsrichtung und die Dynamik eines Angriffs lassen sich nicht zuverlässig vorhersehen.

Deshalb sprechen wir bewusst nicht von „Messerabwehr“, wenn damit der Eindruck entstehen könnte, man könne durch das Erlernen einiger festgelegter Techniken einen Messerangriff sicher und unverletzt abwehren.

Natürlich gibt es beeindruckende Bewegungsabläufe, Choreografien und technische Lösungen, die im Training interessant und lehrreich sein können.

Eine Technik, die eine unverletzte Abwehr eines realen Messerangriffs garantiert, gibt es jedoch nicht.

Und genau diese Erkenntnis gehört für uns zu einer verantwortungsvollen Selbstverteidigungsausbildung.

Flucht ist keine Niederlage

Bei einer bewaffneten Bedrohung gilt für uns ein klarer Grundsatz:

Wenn eine sichere Flucht möglich ist, ist sie der körperlichen Auseinandersetzung vorzuziehen.

Abstand schaffen, die Situation verlassen, Hilfe holen, Barrieren nutzen und die eigene Position verbessern können wesentlich sinnvoller sein, als einen körperlichen Konflikt überhaupt erst entstehen zu lassen.

Selbstschutz bedeutet deshalb nicht, möglichst schnell kämpfen zu können.

Selbstschutz bedeutet zunächst, möglichst gar nicht kämpfen zu müssen.

Erst wenn andere Handlungsmöglichkeiten nicht zur Verfügung stehen, stellt sich die Frage nach weiteren Notfallreaktionen.

Intensive Praxis – mit einem starken Lehrerteam

Im praktischen Teil des Workshops wurde die große Teilnehmergruppe durch unser Lehrerteam unterstützt:

Hüseyin Gökcek (Sifu) – Schule Wesel
Marcel Hofmann – Schule Borken
Klaus Kohl – Schule Wesel
Christoph Fondermann – Schule Wesel

Durch die zusätzliche Betreuung konnten die praktischen Übungen intensiv begleitet und die Teilnehmer individuell unterstützt werden.

Andreas Chouliaras (Sifu) aus der Schule Borken konnte aufgrund einer Verletzung diesmal leider nur kurz auf einen „Kaffee“ vorbeischauen.

Wir hoffen, dass er beim nächsten Workshop wieder vollständig dabei sein und seine fachliche Erfahrung einbringen kann.

Was bleibt?

Der Workshop sollte keine falsche Sicherheit vermitteln.

Ganz im Gegenteil.

Wir wollten sensibilisieren, Wahrnehmung schärfen und deutlich machen, wo die Grenzen planbarer Selbstverteidigung liegen.

Die zahlreichen praktischen Übungen führten bei vielen Teilnehmern zu genau den gewünschten „Aha-Momenten“ – teilweise verbunden mit Erstaunen, aber vor allem mit einem realistischeren Verständnis für die Dynamik einer solchen Situation.

Das durchweg positive Feedback hat uns darin bestätigt, diesen Weg weiterzugehen.

Die nächsten Workshops sind bereits in Planung

Auf vielfachen Wunsch planen wir nun weiterführende Veranstaltungen.

In kommenden Aufbauseminaren möchten wir uns unter anderem mit weiteren Handlungsalternativen bei Angriffen mit Hieb-, Stich- und Schnittwaffen beschäftigen.

Darüber hinaus ist ein weiterer wichtiger Themenbereich vorgesehen:

Erste Hilfe bei penetrierenden Verletzungen.

Denn realistische Selbstverteidigung endet für uns nicht zwangsläufig mit dem Ende einer körperlichen Auseinandersetzung.

Auch die Frage, was danach zu tun ist, kann entscheidend sein.

Weitere Themen und Workshops sind bereits in Planung.

Wir freuen uns auf die kommenden Seminare, Lehrgänge und den gemeinsamen Austausch.

Realistische Selbstverteidigung beginnt dort, wo Wunschdenken aufhört.

SCHUTZKOMPASS
Gebr. Kropfgans
Selbstverteidigungsschulen Borken & Wesel



Lars Kirz (Kropfgans)
David Kropfgans
Gebrüder Kropfgans GbR

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