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Kampfsport vs Kampfkunst

Kampfsport oder Kampfkunst?

Was ist eigentlich der Unterschied?

Kampfsport und Kampfkunst werden im Alltag häufig gleichgesetzt. Ganz falsch ist das nicht, denn beide beschäftigen sich mit Bewegung, Technik, Körperbeherrschung und natürlich auch mit dem Kämpfen.

Bei genauerer Betrachtung gibt es aber durchaus Unterschiede.

Dabei ist die Abgrenzung keineswegs so eindeutig, wie es zunächst erscheinen mag. Es gibt Kampfsportarten mit einem deutlichen Bezug zur Selbstverteidigung und Kampfkünste, die sehr sportlich trainiert werden. Andere Kampfkünste legen ihren Schwerpunkt auf Tradition, Formen, Ästhetik oder Akrobatik. Wieder andere beschäftigen sich stärker mit Meditation, Disziplin und persönlicher Entwicklung.

Deshalb möchten wir hier auch keine Wertung vornehmen.

Es geht nicht darum, ob Kampfsport oder Kampfkunst „besser“ ist.

Es geht darum, welches Ziel mit dem jeweiligen Training verfolgt wird.

Kampfsport – der sportliche Vergleich

Beim Kampfsport steht in der Regel der sportliche Vergleich im Mittelpunkt.

Zwei Sportler treten unter bestimmten und für beide Seiten geltenden Bedingungen gegeneinander an. Ein Regelwerk legt fest, welche Techniken erlaubt sind, welche Treffer zählen, welche Bereiche des Körpers geschützt werden müssen und wann ein Kampf beendet wird.

Es gibt Gewichtsklassen, Zeitlimits, Wertungen und einen Ring- oder Kampfrichter.

Das hat seinen guten Grund.

Der sportliche Wettkampf schafft einen kontrollierten Rahmen, in dem sich körperliche Leistungsfähigkeit, Technik, Kondition, Taktik und mentale Stärke miteinander vergleichen lassen.

Eine ernsthafte Verletzung des Trainings- oder Wettkampfpartners ist dabei selbstverständlich nicht das Ziel. Regeln schaffen einen Rahmen, in dem sich zwei Menschen miteinander messen können, ohne dass die Auseinandersetzung zwangsläufig zu einer unkontrollierten Gewaltsituation wird.

Das ist eine besondere Qualität des Kampfsports.

Der sportliche Vergleich ist hier nicht Nebensache, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Trainingsziels.

Kampfkunst – ein weiter gefasster Begriff

Bei der Kampfkunst ist die Sache etwas komplexer.

Kampfkunst kann sehr unterschiedliche Ausprägungen haben. Manche Systeme legen großen Wert auf traditionelle Formen und deren möglichst präzise Ausführung. Andere beschäftigen sich intensiv mit Bewegungsqualität, Ästhetik oder akrobatischen Elementen. Wieder andere stellen Philosophie, Meditation, Disziplin oder persönliche Entwicklung in den Vordergrund.

Auch das gehört zur Kampfkunst.

Deshalb wäre es falsch, den Begriff Kampfkunst automatisch mit realistischer Selbstverteidigung gleichzusetzen.

Eine beeindruckende Form kann technisch höchst anspruchsvoll sein, ohne dass ihre Bewegungen für eine reale Selbstverteidigungssituation entwickelt oder unter solchen Bedingungen überprüft werden.

Ebenso kann eine Kampfkunst sehr sportlich betrieben werden und sogar Wettkämpfe beinhalten.

Die Begriffe Kampfkunst und Kampfsport lassen sich deshalb nicht allein an einzelnen Techniken, an der Kleidung oder an einer Graduierung unterscheiden.

Entscheidend ist vielmehr die Ausrichtung des Trainings und die Frage, was am Ende damit erreicht werden soll.

Und wo kommt die Selbstverteidigung ins Spiel?

Selbstverteidigung verfolgt noch einmal einen anderen Schwerpunkt.

Hier geht es nicht darum, einen sportlichen Gegner nach einem Regelwerk zu besiegen. Und es geht auch nicht darum, eine möglichst spektakuläre oder ästhetische Bewegung auszuführen.

Es geht darum, in einer tatsächlichen Bedrohungs- oder Gewaltsituation möglichst handlungsfähig zu bleiben und sich selbst oder andere angemessen schützen zu können.

Damit verändern sich auch die Anforderungen an das Training.

Eine reale Konfliktsituation findet nicht zwangsläufig auf einer Matte oder in einem Ring statt.

Es gibt keine Gewichtsklasse.

Keine festgelegte Kampfzeit.

Keinen Ringrichter.

Kein „Tap Out“.

Und auch kein weißes Handtuch, das jemand wirft, wenn es genug ist.

Der andere Beteiligte hält sich möglicherweise nicht an Regeln. Er kündigt seinen Angriff nicht an und wird sich nicht unbedingt so verhalten, wie es im Training vorhersehbar war.

Eine reale Gewaltsituation ist kein Wettkampf.

Realistische Selbstverteidigung ist kein Spaß

Das klingt zunächst selbstverständlich, ist aber ein wichtiger Punkt.

Realistische Selbstverteidigung ist kein Spiel und kein sportlicher Wettkampf. Sie beschäftigt sich mit einer Situation, die hoffentlich niemals eintritt, auf die man im Ernstfall aber vorbereitet sein sollte.

Eine solche Situation kann überraschend entstehen und innerhalb weniger Sekunden eskalieren.

Wer erst reagiert, wenn die Gefahr bereits unmittelbar vor einem steht, hat möglicherweise wichtige Handlungsmöglichkeiten verloren.

Deshalb beginnt Selbstverteidigung für uns nicht mit dem ersten Schlag.

Sie beginnt wesentlich früher.

Mit Aufmerksamkeit.

Mit Gefahrenbewusstsein.

Mit der Fähigkeit, Veränderungen in einer Situation wahrzunehmen und richtig einzuschätzen.

Das bedeutet nicht, paranoid durch den Alltag zu gehen oder überall eine Gefahr zu sehen.

Es bedeutet, aufmerksam zu sein und die eigene Umgebung nicht völlig auszublenden.

Mindset und Timing müssen stimmen.

Es gibt keine zweite Runde

Im Training können wir jederzeit anhalten.

Wir können sagen: „Nochmal.“

Wir können eine Situation verändern, langsamer beginnen oder eine andere Lösung ausprobieren.

Im echten Leben gibt es diese Möglichkeit möglicherweise nicht.

Eine reale Situation lässt sich nicht zurückspulen.

Möglicherweise gibt es nur eine einzige Gelegenheit, richtig zu reagieren.

Deshalb halten wir es für problematisch, Selbstverteidigung ausschließlich als Sammlung möglichst vieler Techniken zu verstehen.

Eine Technik ist nur dann wirklich wertvoll, wenn sie auch unter Druck und Stress abrufbar bleibt.

Aus Technik muss Handlungsfähigkeit werden.

Technik allein reicht nicht

Realistische Selbstverteidigung beschäftigt sich deshalb nicht nur mit Schlägen, Tritten, Hebeln oder Würfen.

Ebenso wichtig sind unter anderem:

  • Wahrnehmung und Gefahrenbewusstsein
  • Distanz und Raum
  • Timing
  • Reaktionsfähigkeit
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Bewegung und Gleichgewicht
  • körperliche und mentale Belastbarkeit
  • der Umgang mit Druck und Stress
  • angemessene und verhältnismäßige Reaktionen

Dabei geht es nicht darum, jede Situation mit maximaler Gewalt zu beantworten.

Im Gegenteil.

Die beste Auseinandersetzung ist häufig die, die gar nicht erst stattfindet.

Eine gefährliche Situation möglichst früh zu erkennen, sie zu vermeiden, zu deeskalieren oder zu verlassen, ist ein wesentlicher Bestandteil verantwortungsvoller Selbstverteidigung.

Selbstverteidigung bedeutet nicht, Gewalt zu suchen.
Selbstverteidigung bedeutet, auf Gewalt vorbereitet zu sein.

Hollywood und die Kampf-Romantik

Kampfkunst darf natürlich schön sein.

Akrobatische Bewegungen können faszinierend sein. Formen können technisch anspruchsvoll und ästhetisch beeindruckend sein. Auch choreografierte Kampfszenen haben ihren Platz – im Film, bei Vorführungen oder einfach als Teil einer bestimmten Trainingsform.

Problematisch wird es erst dann, wenn solche Bewegungen mit realistischer Selbstverteidigung gleichgesetzt werden, ohne ihre tatsächliche Praxistauglichkeit zu hinterfragen.

Das Bild vom Kampf, das uns Filme und andere Medien vermitteln, hat mit einer realen Gewaltsituation häufig wenig gemeinsam.

In einem Film funktioniert die Choreografie, weil beide Beteiligten wissen, was als Nächstes passiert.

Im echten Leben gibt es keine Kameraperspektive, keine Wiederholung und keinen Gegner, der freundlicherweise auf die nächste spektakuläre Technik wartet.

Kampf-Romantik gehört auf die Leinwand.
Selbstverteidigung gehört in die Realität.

Realistisch bedeutet nicht rücksichtslos

Eine realistische Ausbildung muss deshalb nicht brutal sein.

Ganz im Gegenteil.

Je ernster man Selbstverteidigung nimmt, desto wichtiger ist ein verantwortungsvoller Aufbau des Trainings.

Unser Trainingspartner ist schließlich kein Gegner, der verletzt werden soll. Er ist derjenige, mit dem wir gemeinsam lernen.

Deshalb braucht auch realistisches Training Regeln, Kontrolle und gegenseitige Rücksichtnahme.

Der Umgang mit körperlichem Kontakt, Druck und Stress kann schrittweise aufgebaut werden. Die Intensität muss zum jeweiligen Leistungsstand passen.

Das Ziel ist nicht, Verletzungen zu produzieren.

Das Ziel ist, Fähigkeiten zu entwickeln, die im Ernstfall abrufbar sind.

Realismus und Verantwortungsbewusstsein gehören zusammen.

Und trotzdem ist unser Training Sport

Dass Selbstverteidigung und Kampfkunst im Mittelpunkt stehen, bedeutet nicht, dass sportliche Aspekte bei uns keine Rolle spielen.

Im Gegenteil.

Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination, Reaktionsfähigkeit, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung sind wichtige Bestandteile des Trainings.

Wer regelmäßig trainiert, arbeitet ganz nebenbei auch an seiner körperlichen Fitness und schafft einen Ausgleich zum Alltag.

Diese positiven Effekte sind für uns wichtig, aber sie stehen nicht an erster Stelle.

Man könnte sagen:

Fitness ist ein wertvoller Bestandteil des Weges – praktische Selbstverteidigungsfähigkeit ist unser besonderer Schwerpunkt.

„Wir hauen. Wir treten. Wir beißen.“

Das ist eine bewusst provokante Formulierung und soll deutlich machen, worüber wir sprechen.

Wir hauen.
Wir treten.
Wir beißen.

Eine reale körperliche Auseinandersetzung ist nicht auf das beschränkt, was in einem sportlichen Regelwerk erlaubt ist.

Wenn Selbstverteidigung realistisch sein soll, muss sie sich mit der Realität beschäftigen – und nicht nur mit dem, was sportlich erlaubt, technisch elegant oder optisch beeindruckend ist.

Das bedeutet allerdings nicht, Gewalt zu verherrlichen oder leichtfertig einzusetzen.

Im Gegenteil.

Wo immer möglich, sollte eine Situation vermieden, deeskaliert oder verlassen werden. Wenn körperliches Eingreifen notwendig wird, muss es sich im Rahmen der jeweiligen rechtlichen Voraussetzungen und der Verhältnismäßigkeit bewegen.

Realistische Selbstverteidigung bedeutet nicht, Gewalt zu wollen.
Sie bedeutet, auf Gewalt vorbereitet zu sein.

Eine Frage der Perspektive

Die Unterscheidung zwischen Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung lässt sich nicht an einzelnen Techniken festmachen.

Ein Schlag, ein Tritt, ein Hebel oder ein Wurf kann Bestandteil eines Wettkampfsports, einer traditionellen Kampfkunst oder einer Selbstverteidigungsausbildung sein.

Entscheidend ist der Zusammenhang.

Wer sich über viele Jahre mit unterschiedlichen Kampfsportarten, Kampfkünsten und Selbstverteidigung beschäftigt, erkennt, dass die Grenzen fließend sind.

Sportliche Trainingsformen können Fähigkeiten entwickeln, die auch für die Selbstverteidigung wertvoll sind.

Kampfkünste können sportliche, traditionelle, ästhetische oder akrobatische Schwerpunkte haben.

Und eine Kampfkunst kann gleichzeitig einen klaren Schwerpunkt auf praktische Selbstverteidigung legen.

Die Frage ist deshalb nicht:

„Was ist besser – Kampfsport oder Kampfkunst?“

Die sinnvollere Frage lautet:

„Welches Ziel verfolgt das Training – und welche Fähigkeiten sollen dadurch entwickelt werden?“

Unsere eigene Erfahrung

Unsere Sichtweise ist dabei natürlich auch durch unsere eigene langjährige Praxis geprägt.

Lars Kirz und David Kropfgans beschäftigen sich seit rund 40 Jahren mit unterschiedlichen Kampfkünsten, Kampfsportarten und der Selbstverteidigung.

Zu ihrem Ausbildungsweg gehören unter anderem Wing Tsun und Escrima sowie verschiedene Stilrichtungen des Karate, darunter Vollkontakt-Kyokushin und das Sport- und Selbstverteidigungssystem des Deutschen Karate Verbandes.

Beide verfügen über langjährige praktische Erfahrung und Graduierungen bis hin zum Schwarzgurt in verschiedenen Systemen.

Gerade die Beschäftigung mit unterschiedlichen Stilrichtungen hat uns gezeigt, dass kein System auf alle Fragen die alleinige Antwort besitzt.

Unterschiedliche Trainingsmethoden, Regelwerke, Zielsetzungen und Interpretationen können den eigenen Blick erweitern.

Deshalb gehört für uns auch der Austausch mit anderen Kampfsportlern und Kampfkünstlern, gemeinsames Training sowie die Teilnahme an Seminaren und Lehrgängen zu einer kontinuierlichen Entwicklung.

Nicht mit dem Ziel, herauszufinden, welcher Stil „der beste“ ist.

Sondern mit dem Ziel:

zu verstehen, zu überprüfen und weiterzulernen.

Kampfsport und Kampfkunst sind keine Gegensätze

Kampfsport und Kampfkunst müssen deshalb nicht als Gegensätze verstanden werden.

Ein Kampfsportler kann sich intensiv mit persönlicher Entwicklung beschäftigen.

Ein Kampfkünstler kann sportlich trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen.

Eine Kampfkunst kann Akrobatik und Ästhetik in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig funktionale Elemente der Selbstverteidigung vermitteln.

Und eine Selbstverteidigungsausbildung kann ausgesprochen sportlich und körperlich fordernd sein.

Die Unterschiede liegen vor allem in den Zielen, Methoden und Prioritäten.

Wer den sportlichen Wettkampf sucht, findet im Kampfsport eine anspruchsvolle Möglichkeit, sich körperlich und mental mit anderen zu messen.

Wer Tradition, Formen, Ästhetik, Akrobatik oder persönliche Entwicklung sucht, kann in unterschiedlichen Kampfkünsten seinen eigenen Weg finden.

Wer dagegen eine Kampfkunst mit dem ausdrücklichen Ziel erlernen möchte, praktische Fähigkeiten für die Selbstverteidigung zu entwickeln, benötigt einen entsprechenden Trainingsansatz.

Keiner dieser Wege ist grundsätzlich besser oder schlechter.

Entscheidend ist, welches Ziel man selbst verfolgt.

Unser Verständnis von Kampfkunst

Unser Verständnis von Kampfkunst verbindet die Entwicklung von Körper, Technik und Persönlichkeit mit einem klaren Bezug zur praktischen und realistischen Selbstverteidigung.

Wir wollen nicht nur wissen, wie eine Technik aussieht.

Wir wollen verstehen, warum sie funktioniert, unter welchen Bedingungen sie funktioniert und ob sie auch dann noch funktioniert, wenn die Situation nicht nach Plan verläuft.

Dabei gehören sportliches Training, technische Entwicklung, körperliche Fitness, der Austausch mit anderen Kampfkünstlern und Kampfsportlern sowie die persönliche Weiterentwicklung selbstverständlich dazu.

Kampfkunst ist für uns kein abgeschlossener Lernprozess.

Eine Graduierung ist kein Endpunkt.

Wer glaubt, angekommen zu sein, hat aufgehört zu lernen.

Die Beschäftigung mit Kampfkunst bleibt ein Weg – als Praktiker, als Lehrer und nicht zuletzt als Schüler des Lebens.

Selbstverteidigung darf kein Zufall sein.

Gemeinsam stark.

Osu!

Lars Kirz

David Kropfgans

 

This is a staging environment